Die Fassade

Die Fassade, sie bröckelt,
der Wind bricht heran.

Die Fassade scheint
ganz angetan

von Allem von Jedem,
gespieltes Verstehen.

Geplante, zu schöne Höflichkeit,
politisch korrekt und alles erreicht.

Die Fassade sie bröckelt,
doch wird sie gestürzt?

Fassaden kommen
ganz simpel daher,

mit Bildern, Orden, reichen Sponsoren.
Nicht einfach da, bloß auserkoren.

Sie halten in ihrem Stadtteil recht lange,
doch wer, bitte wer reißt den Stadtteil ein?

Die schnellste Liebe der Welt, oder: Wie unfassbar charmant mein Kollege Gary auf eine Spam-Mail reagierte

Vor einigen Tagen bekam mein englischer Arbeitskollege Gary folgende amouröse E-Mail:

Absender: vvelox@vvelox.net

Betreff: let´s be friends, dear

My dear 
I´m open-hearted and caring lady, 
always attentive to details, 
feminine and romantic http://ftagn.fr/gi1f9 
I enjoy every day and prefer living it to the fullest! 
I like good jokes and people say 
I have a genuine sense of humor. 
I´m an optimist and encourage people a lot 
when I feel they need it. 
A rivederci 
Ulia

Er konnte den Avancen der jungen Dame nicht widerstehen und antwortete:

Absender: Gary_Glitter@FinanzamtBöblingen.de

Betreff: let´s be lovers from here

My bear, 
I´m half way in heaven without any ladder, 
so much feelings with just one letter? 
You write you´re feminine, that´s what I am. 
Attentive to details? I show you my swing. http://penisdance.com 
I also live the XL-way of live, 
but I have to admit: That’s just my size. 
You love good jokes? That’s what I do, 
I also play the didgeridoo. 
Where are you from? Russia or Malta? 
For you I walked straight to Balkonia. 
I haven´t asked, if you earn much money. 
That´s the case? I´m your honey! 
O revoir 
Gary

By the way: I am gay.

Wie ich mir vornahm, einen Tag lang nie mehrere Dinge gleichzeitig zu tun

8:47 Uhr, morgens. Der Raum füllt sich mit presslufthammerähnlichen Geräuschen. Verdutzt schaue ich nach links und rechts. Ich bin ahnungslos. Der Blick aus dem Fenster erübrigt sich. Über Nacht entstehen keine Baustellen. Obschon es einiges zu tun gäbe in dieser herzlich anmutenden, aber maroden Ortschaft. Die Erleuchtung! Im Halbschlaf hatte ich den Weckton falsch eingestellt. Eine Spalte weiter rechts befindet sich das ursprünglich anvisierte Signal: klarer, lieblicher Elfengesang. Die Schuld von mir weisend frage ich mich: Warum entschied sich der Smartphone-Hersteller für eine derart stilbrechende Wecktonreihenfolge? Sollte die Produktabteilung nicht über bereits weggetretene „Bett-Trotter“ nachgedacht haben, die es über den Button „Baustellenlärm“ nicht hinaus schaffen und somit eine weitreichende Fehlentscheidung fällen? Ist die Konsumentenforschung noch nicht so weit?

Gedanken, die mir letzte Nacht Handschellen angelegt hatten, melden sich plötzlich wieder. Klar: Ein Gefangener trifft am Morgen nach seiner Einbuchtung auch auf dasselbe Justizpersonal, das ihn am Vorabend festgenommen hat. Ich stehe auf und ziehe mit vollem Kopf gen Bad. Dort betätige ich den schwarzen Power-Knopf des Radios. Einwandfrei gelaunte, aber unfreiwillig nervige Moderatoren kündigen an: „In acht Stunden haben Sie es endlich geschafft, dann ist Feierabend. Bis dahin versorgen wir Sie mit den größten Hits der 80er, 90er und dem Besten von heute.“ „Liebe Freunde aus den Boxen, warum setzt ihr immer Feierabend mit Erlösung gleich? Habt ihr etwa keinen Spaß an eurem Job?“, töne ich in die Leere des Raumes. Keine Antwort. Ich verschwende einen weiteren Gedanken an die Kollegen, die total hip sind, weil sie in den Medien arbeiten: Wird die Ansage im Jahr 2043 ähnlich lauten oder handelt es sich dann um die besten Hits der 20er, 30er und 40er? Könnte das die Menschen nicht verwirren? Schließlich gibt es eine handverlesene Riege von Jazz-Fans, die sich in der Entdeckung eines neuen Nischensenders, der frühe Stücke spielt, wähnen würden. Bevor mir Rihanna weismachen will, dass sie die sexuelle Spielart „Sado Maso“ bevorzugt, schalte ich nicht um, sondern ab. Ach ja, die Gedanken: Ich überlegte mir, wie es wäre, einen Tag lang zu jeder Zeit nur eine Sache zu tun. Ist es nicht so, dass wir in einer Zeit leben, in der sämtliche Kanäle Buntes, Lautes und Schrilles absorbieren, in der Leute fernsehen, während sie bügeln, chatten, während sie Musik hören und lesen, während sie den Hintern auf der Klobrille platt drücken? Nicht mit mir! Heute mache ich nie mehrere Dinge zur gleichen Zeit.

Ich türme ins Wohnzimmer und schalte die Flimmerkiste ein. Was ich mir erhoffe: ein aufgewecktes Musikvideo, zu einem guten Popsong, mit elektronischem Einschlag, vielleicht von Phoenix. Was ich erhalte: einen Werbespot zur Dating-Seite „eDarling“. In dem künstlichen Kurzfilm begegnen mir hilflos wirkende Langzeitsingles, die mich mit einem Blick betrachten, der kundtut: Jahrelang war ich zu doof, mich im realen Flirt-Leben zurechtzufinden, nicht mal auf Malle, Weinfesten oder bei Speed-Datings konnte ich einen heißen Deckel finden. „Nur die Liebe zählt“ wurde abgesetzt, bleibt allein das Internet. Folgende Frage drängt sich in mir auf: Wann wird es wohl den Onlinedienst „eDivorce“ geben? Oder gibt es ihn etwa schon? Die Scheidung per Mausklick – einfach und diskret. Hat das Patentamt schon geöffnet? Beflügelt von einer neuen Marktidee begebe ich mich leicht tänzelnd zum Frühstückstisch. Da mir die Werbeindustrie unentwegt suggeriert, auch ein Mann sei der Schlankheit verpflichtet, esse ich vier Schrippen mit üppigem Aufstrich und verspeise als Dessert eine halbe Tafel „Ritter Sport“, Geschmacksrichtung: Kokosnuss.

Frisch gestärkt betrete ich meine persönliche Arena der Leistungsfähigkeit, meinen Jakobsweg für Joggingfreunde, mein Terrain der sportiven Glückseligkeit: den „Unteren Birkenweg“ am Waldrand. Nach einer halben Stunde ereilt mich ein erstes Glücksgefühl, als ich spielend zwei Damen mittleren Alters in neongrünen Ganzkörpersuits überhole. Mit zwei bedrohlich wirkenden, spitz zulaufenden Stöcken in der Hand führen sie ruckartige, angsteinflößende Bewegungen aus: Nordic Walking. Da die beiden Mitfünfzigerinnen wenig dynamisch wirken, frage ich mich hämisch, ob es für sie nicht sinnvoller wäre, beim morgendlichen TV-Klassiker „Tele-Gym“ synchron Kniebeugen zu zelebrieren. Klamottentechnisch passen die beiden zweifellos zur motivierenden „Komm-mach-mit-Sendung“. 

Zuhause angekommen bin ich stolz, meinen Vorsatz, nie mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, noch nicht gebrochen zu haben. „Weiter so!“, peitsche ich mich selbst an. Nach diesem kleinen, aber feinen Gefühlsausbruch treffe ich die Entscheidung, meinem eckig-elektronischen Lebenspartner erneut eine Chance zu geben. Schneller, als ich RTL sagen kann, flackert mir ein hellhaariges, kräuseliges Wesen entgegen. Es nennt sich Katja Burkard und gibt vor, Nachrichtensprecherin zu sein. Vielmehr wirkt sie wie ein prachtvoller Pfau, der seine ahnungslose Umwelt mit aberwitzigen Stories befriedigen möchte. Gekonnt springt die gewandte Moderateuse von Massenmord zu niedlichen Hundewelpen, von Arbeitslosigkeit zu sinnlicher Zügellosigkeit. Ähnlich gekonnt ihre Aussprache: Hierbei ähnelt sie dem beschriebenen Federvieh mehr als der Spezies Mensch. „Eine treffsichere ABC-Schützin“, säusle ich und laufe geschwind Richtung Badezimmer, um mir lauwarmes Wasser für ein beruhigendes Schaumbad einzulassen. Nach diesem Kulturschock muss das sein.

Normalerweise würde ich an dieser Stelle ein Buch lesen oder Musik hören. „Diesmal nicht!“, denke ich mir siegessicher. Verheerender Weise läuft just in diesem Moment der örtliche Spielmannszug an meinem leicht gekippten Fenster vorbei. Ein Triumvirat des konservativen Bürgertums, das gekonnt Blas- und Blechinstrumente vergewaltigt, passiert meinen Straßenabschnitt. Leider ist die dargebotene Vorstellung keine rein instrumentale. Gespielt verzückt schaue ich drein, als gefühlte 5000 Rentnerkehlen die „Dorf-Nationalhymne“ anstimmen. Wie konnte ich nur vergessen, dass heute ein christlicher Feiertag ist und ich in Bayern wohne? Trotzig und mit unnötigem Stress aufgeladen setze ich den Badevorgang fort. Dreieinhalb Stunden lang – nur ich, Wasser und Schaum …und ein nerviger Ohrwurm.

Ein unwahrscheinlich aufregender Tag neigt sich dem Ende entgegen und offeriert schließlich ein letztes großes Highlight: ein Match der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Nach einigen Toren, wenigen Ecken und noch weniger Übersteigern ist der Spuk vorbei. 3:2-Sieg gegen Indonesien. „Herzlichen Glückwunsch!“ Auch ich feiere, während Oliver Kahn mit seiner Co-Moderatorin das Spiel in patriarchalischer, aber keineswegs selbstgefälliger Manier „analysiert“. Denn ich habe es geschafft, einen Tag lang nie mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Zumindest fühlt es sich so an. Ich putze mir die Zähne, lege mich ins Bett und stelle den Handywecker auf 8:47 Uhr. Liebliche Elfen werden mich am nächsten Morgen sanft aus dem Schlaf trällern. In diesem Sinne: „Carpe diem, lebe den Tag!“

Gedanken eines Ausrufezeichens

Freitag, später Nachmittag, es nieselt leicht, der Himmel ist trüb. Das Ausrufezeichen sitzt alleine auf einer Parkbank. Es hat das Gesicht in beide Hände vergraben und starrt traurig auf den gegenüberliegenden Teich: Enten, die stoisch, fast mechanisch ihre Bahnen ziehen, Frösche, die wahllos umherquaken. „Was ist nur los mit den Leuten?“, fragt sich das hochgewachsene Symbol für Nachdruck. Sie schubsen mich von Satz zu Satz, zerren mich von Cover zu Cover, unentwegt. Ohne darüber nachzudenken, wie es mir dabei geht. Früher wurde ich bei der Mondlandung engagiert, oder bei gewonnenen Fußball-Weltmeisterschaften, heute reicht es, wenn der Bachelor eine Kandidatin vernascht oder David Hasselhoff einen Burger.“

Verzweifelt schüttelt das punktbestückte Wesen den Kopf. Seine Augen werden glasig: „Das Semikolon hat mal wieder Urlaub, es lümmelt auf Jamaica in einer Hängematte und raucht genüsslich seine Chesterfields. Das Dollarzeichen ist bereits ausgestiegen, fährt Tag für Tag im pinken Cadillac durch die Hamptons und pfeift den hübschen Klammeräffchen hinterher. Und ich? Muss andauernd auf Facebook die Beziehungsdramen pubertierender Mädels regeln. Meistens klingeln diese Gören mich und meine Brüder mitten in der Nacht aus dem Bett, um uns mit fremden Einsen und Fragezeichen zu paaren*. Dabei kann ich diese Zahlen überhaupt nicht leiden. Die waren in Mathe immer so gut.“

 „Wann hört dieses geschriebene Hupkonzert endlich auf? Wann verstehen die da draußen, dass nicht der Lauteste Recht hat, sondern der mit den besten Argumenten? Oft habe ich das Gefühl, die Qualität eines Satzes sinkt proportional mit der Buchung meiner Kollegen.“ Das Sonderzeichen erhebt sich und läuft einige Meter, bevor es trotzig einen Stein gegen einen stählernen Mülleimer kickt. Sein Weg führt erst durch den Parkausgang, dann zur „Buchstabensuppe“, einer kürzlich am Stadtrand eingeweihten Beratungsstelle für ausgebrannte Satzzeichen.

Dem einst stolzen Symbol geht es gar nicht gut. Es fordert Ruhe und Gelassenheit. Zu Recht, denn in seinem Arbeitsvertrag steht geschrieben, dass es ausschließlich nach Ausrufe-, Wunsch- und Aufforderungssätzen sowie nach Ausrufewörtern und nach bedingten indirekten Fragen verwendet werden darf. Trotzdem wird es immer wieder ausgebeutet – in Internet, Boulevardpresse und Werbung. Tendenz: stark ansteigend. Möchten wir wirklich zulassen, dass Sensations-Redakteure, Facebook-Bitches und Twitter-Egomanen wildes Geschrei über Monitor oder Papier kultivieren? Nein! Die Zeit ist reif, aufzustehen und für Rahmenbedingungen zu kämpfen, mit denen sich das Ausrufezeichen wieder identifizieren kann – denn es will mit Überzeugung und Leidenschaft der Interpunktion nachgehen. Ohne sich falsche Vorwürfe machen zu müssen. Gemeinsam für das Zeichen, Das ist der Weg. Punkt.

*„Der is mir fremdgegangen, fuck, was geht!!1!!1!??!“

 

Porträt einer Werbespot-Familie

7:30 Uhr, die Müllers am Frühstückstisch: Pia, Stefan, Hannah und Malte – eine Familie, die auf gute Laune nicht verzichten möchte. 

Stefan, glücklicher Vater und Ehemann, schneidet seiner Frau ein Brötchen auf. Er schaut ihr tief und warmherzig in die Augen, trotzdem gelingt ihm die symmetrische Teilung der knusprigen Schrippe. Anschließend bestreicht er das gold-braune Nahrungsmittel mit fettarmer Butter und stattet es mit einer Scheibe Schinken aus. Genau so, dass die Wurst nicht über den Rand ragt. Für ihn ist das eine Selbstverständlichkeit, denn er liebt seine Pia. Das wird sich auch nicht ändern, nicht in 5, nicht in 10, nicht in 30 Jahren. Streit gab´s noch nie, außer einmal, als Pia nach einer Einkaufstour den Kofferraum falsch belud. Damals erklärte er ihr die ökonomischere Technik, um schließlich ihr Gewissen zu entlasten: „Das kann doch jedem mal passieren, Schatz.“ 

Die sportlich-schöne Pia beißt beherzt in ihren Semmel, reißt dabei die Augen weit auf. Ein Stück des tierischen Belags schafft es nicht auf Anhieb in ihren Schlund. Sie hilft nach, nutzt Daumen und Zeigefinger, um das ehemalige Mastschwein gen Zielgebiet zu manövrieren. Dann blickt sie kokett zu ihrem Gatten und übermittelt ihm non-verbal die Botschaft: „Das kann doch jedem mal passieren, Schatz.“ Dieser erwidert ihren Fauxpas mit einem breiten Grinsen. Das strahlend-weiße Gebiss des feinporigen Mittvierzigers wird freigelegt. Und irgendwie kann sie mit diesem Anblick leben, denn er versichert ihr: „Dieser Mann ist kerngesund.“ 

Die Kids – beide spielen Fagott und haben einen BMI-Wert von 21 – nippen genügsam an ihren mit laktosefreier Milch gefüllten Namenstassen und erzählen von ihren Träumen. Keine Alpträume, eher belanglose Stories mit einem Schuss „Humor“. Einer handelt von Opa, der am Rheinufer sitzt und angelt. Gelbe Gummistiefel dienen ihm als Köder. Ein anderer dreht sich um Teflon-Pfannen, die immerzu mit den Brauen wackeln – weil sie über ein Gesicht verfügen. Beide Elternteile lachen emphatisch über diese Skurrilitäten, bevor sie nach einem weiteren Brötchen greifen, es wertschätzend streicheln und anschließend konsumieren. Für jeden gibt´s immer zwei. So wird keiner zu dick oder geht mit knurrendem Magen aus dem Haus. Die Croissants stehen nur zur Zierde auf dem Tisch. 

Von ihnen darf nicht mal „Hutch“, der trieberlöste Hund der Familie, kosten. Der schüchterne Retriever sitzt mit antrainiertem Höflichkeitsabstand am Tisch und glotzt mit schräg gesenktem Kopf auf das Blätterteig-Leckerli. Nichts passiert. Laut wird er ohnehin nie. Schließlich kommt Hutch nicht aus dem Tierheim, Freunde von dort hat er auch nicht. Nur manchmal heult er kurz auf: wenn Krusty der Clown von den Simpsons durchs Bild läuft. Den mag er gar nicht. Trotzdem ist der blonde Allrounder, der lebenslangen Vertrauensvorschuss genießt, seinen Anschaffungspreis – 950 Euro – wert. Mit jedem einzelnen Haar seines gut shampoonierten Körperkleides. Denn er lässt sich herzen wie ein Hirnloser und verleiht Familienfotos ein sattes Pfund Harmonie-Appeal. 

Es ist Zeit: Der Vater verlässt den sonnendurchfluteten Raum. Mit einem üppigen Strahlen im Gesicht. Stefan liebt seinen Bürojob. Er hat die „besten Kollegen der Welt“. Sogar mit den bereits geschiedenen und kinderlosen kommt er gut aus. Seine Aufgaben findet er spannend. Wenn er ein abgenutztes Stempelkissen gegen ein anderes austauschen kann, ist das für ihn ein gelungener Tag. Auch für die Kinder geht´s nach draußen. Sie freuen sich sichtlich auf die ersten beiden Schulstunden: Algebra-Fun ist angesagt. Mutter Pia winkt dem Happy-Trio euphorisch hinterher, zieht sich dann glucksend vor Glück ins Wohnzimmer zurück, um die Gladiolen zu gießen. Denn auch die hätten laut ihr ein „herrlich erfülltes Leben“ verdient.

Die Partei „Medien für Deutschland“ – nicht nur mittendrin im Geschehen, sondern das Geschehen selbst!

Die Partei “Medien für Deutschland” (MfD) wird unter den belächelten “Sonstigen” geführt. Trotzdem ist sie ambitioniert und möchte mit imposanten Plänen in den Bundestag einziehen. Lesen Sie selbst, welche Parolen der Vorsitzende Peter Spitzel propagiert: “Unsere Partei möchte sich für den Straftatbestand des Fremdgehens einsetzen, um prominente Nebenvögeleien besser skandalisieren zu können. Dadurch werden Geschichten sichergestellt, an denen Sie sich, liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen, noch effizienter emotional aufladen können. Außerdem plädieren wir für die Abschaffung des Hausfriedensbruchs als Delikt, um Fotografen besseren Zugang zu ihrem Rechercheobjekt zu ermöglichen. Abstellraum, Hobbyraum und Toilette sind von dieser Regelung ausgenommen – um die wertvolle Privatsphäre des Eigentümers zu schützen. Stichwort Fußball: Wir fordern freien Kabinenzugang für Reporter während der Halbzeit sowie Duschenzugang nach den Partien, um direkte, unmittelbare Reaktionen einfangen zu können. Dies gilt sowohl für Männer- als auch für Frauenspiele. Außerdem ist die kostenfreie Nutzung der Pflege- und Hygieneprodukte – exklusive Handtuch und Fön – der Spieler(innen) miteinbegriffen. Wir sind für eine Recherchesteuer, die kostspielige Informationsbeschaffungsmaßnahmen finanziert, beispielsweise im Rahmen von Stories wie “Mein erstes Mal im Edelpuff” oder “Wie es sich anfühlt, wenn Elton John auf meiner Hochzeit spielt”. Dadurch sollen Reportagen “aus dem Leben” ermöglicht werden, eine bei Lesern und Hörern – sprich bei Ihnen – beliebte Form des Journalismus. Nicht zuletzt, und das ist unsere Kernforderung, sind wir für ein Freihandelsabkommen mit der NSA, um an wertvolle Daten aller Art zu gelangen. So können Menschen, die eigentlich gar nichts getan haben, in kürzester Zeit plakativ an den Pranger gestellt werden. Schließlich erleichtert Vorverurteilung unser aller Leben. Ein Leben voller Reize, dem wir noch mehr spannende Eindrücke beifügen möchten. Wir vertrauen auf Ihre Hilfe und wünschen Ihnen noch einen angenehmen Abend. Ihr Peter Spitzel.”

Eine Geschichte aus der blauen Kriegsbeil-Gruppe des Hamburger Kindergartens „Tagesschau“

„Was ist denn das für ein Kindergarten?“, wird der ein oder andere von Ihnen gedacht haben. Als er vom Zwist in der ach so seriösen „Tagesschau“ erfuhr. In der „Godmother of german News“. Geführt von Männern, die vor der Kamera wirken, als trügen sie einen Heiligenschein, der bis nach Mekka leuchtet. Da wirft der eine dem anderen „Heuchelei“ vor und der andere dem einen, dass er lüge. Wie gemein.

Marc „Batorman“ Bator vs. Jan „The stock-serious one“ Hofer. So heißt das Match. Bereits seit Monaten. Und keiner will es gewesen sein. Wären die beiden noch im Vorschulalter, würde man beschwichtigende Maßnahmen ergreifen. Man würde die Raufbolde auffordern, das Ganze (vielleicht ist es eine „Furzkissen-Affäre“; oder doch „Klötzchen-Gate“?) durch ein Gespräch zu klären und sich dann High-Five zu geben. Und so klappt das meistens auch. Vorausgesetzt, die Erzieherin dreht ein bisschen was im Hintergrund. Zwei Stunden später spielt man wieder gemeinsam Verstecken oder jagt Eichhörnchen auf die Hauptverkehrsstraße.

Scheinbar ist es in den „besten Jahren“ schwieriger, Kompromisse zu finden und die Streitaxt zu begraben. Da wird sich gar nicht so oft die Hand gereicht. Verletzte Eitelkeiten wiegen schwerer als das Prinzip: „War scheiße, aber Schwamm drüber“. Außerdem wird mehr übereinander geredet als miteinander. Promis machen das leidenschaftlich gerne über Klatschmedien (Def.: Medien, die es wert sind, an die Wand geklatscht zu werden). Stellen Sie sich mal vor, Ihr Filius würde über das örtliche Mitteilungsblatt einem Kindergarten-Kollegen vorwerfen, er entziehe sich des gemeinsamen Wippens. Oder nenne beim Oldtimer Quartett falsche Hubraum-Werte. Gezeichnet: der beleidigte Malte. Nein: Kinder klären das direkt. Was oft gar nicht schlecht ist. Soll noch einer mal die Redewendung: „Was ist denn das für ein Kindergarten“ verwenden.

 

Sensation! Angela Merkel wird „Unser Star für Kopenhagen“

Berlin – wie aus Regierungskreisen bekannt wurde, plane Bundeskanzlerin Merkel beim nächsten Eurovision Song Contest für Deutschland anzutreten. Grund dafür sei die anhaltende Wut-Welle, die seit des schwachen Abschneidens von Cascada im Internet auf sie niederprasselt. In einer Presseerklärung, die uns vorab zur Verfügung gestellt wurde, heißt es: „Ich nehme die Schuld für das schlechte Abschneiden komplett auf meine Kappe. Mir ist es absolut bewusst, dass die 125 Millionen Zuschauer, ob Friseur, Taxi-Fahrer oder Kneipenbesitzer, die derzeitige politische Lage während der Show zu jeder Zeit im Hinterkopf gehabt haben müssen. Ich möchte für meine Fehler gerade stehen und nächstes Jahr so richtig die Bühne rocken.“

Wie der Regierungssprecher erläuterte, habe man vor wenigen Tagen erste Gespräche mit dem Erfolgsproduzenten Timbaland geführt, der dem bereits vorliegenden Dancefloor-Hit „From A.M. to P.M.“ (dt.: „Von Angela Merkel an Paul McCartney“, Copyright: Stefan Raab) einen zeitgemäßen Anstrich verpassen soll. Außerdem soll der renommierte schwedische DJ Avicii einen sogenannten KillingTheKanzleramt-Remix beisteuern und die Selbstdarstellungskünstlerin Olivia Jones als Stylingberaterin fungieren. Guido Westerwelle und Philipp Rösler seien als spärlich bekleidete Background-Tänzer im Gespräch.

In der Opposition wird der überraschende Entschluss eher kritisch gesehen. Sigmar Gabriel: „Wieso steigt die Kanzlerin jetzt auch noch ins Musikbusiness ein? Nächstes Jahr ist schließlich Fußball-WM. Dass wir noch einen fähigen Stürmer brauchen, ist jedem klar. Soll sie doch dort mitmischen.“ Am Dienstag wird Angela Merkel im Rahmen eines ARD-Brennpunktes zu ihrem Vorhaben ausführlich Stellung nehmen.

Lustiges Sätze-Chaos mit Uli Hoeneß!

Folgendes Ratespiel in der imaginären Kinder-Zeitschrift „Tita & Nick“ verzückte mich sehr:

Lustiges Sätze-Chaos mit Uli Hoeneß!

Hallo, liebe Kinder. Kennt Ihr Uli Hoeneß? Über ihn reden momentan ganz viele Menschen. Er ist ein älterer Herr, der oft mit einer roten Jacke herumläuft und dabei ganz grimmig schaut. Die Schweiz mag er ein bisschen mehr als Deutschland. Aber nicht wegen dem Käse mit den lustigen Löchern, sondern weil er dort mehr Taler verdienen kann. Außerdem ist er ein richtig doller Fußball-Fan, spielt aber trotzdem viel lieber an der Börse. Klingt komisch, ist aber so.

In Deutschland finden gerade viele Gespräche über ihn statt. Auch im Fernsehen. Und dabei hört man immer wieder dieselben Sätze. Sätze, die immer wieder fallen, aber eigentlich nichts aussagen, nennen Erwachsene Floskeln. Probiert Euch doch mal aus: Die Floskeln da unten müssen durcheinander geraten sein. Bringt Sie wieder in die richtige Reihenfolge!

„Es ist doch klar, dass man Kriminelle Würste zu Gold macht“

„Für mich ist Uli Hoeneß kein Kavaliersdelikt“

„Steuerhinterziehung ist einfach immer noch ein netter Kerl“

„Der FC Bayern lässt sich nicht beeinflussen durch sein Swimmingpool mit Börsensymbol“

„Manche Medien berichten, er wäre stolz auf die Steueraffäre“

„Er wurde schnell reich, denn er hat mit aller Härte verfolgt“

Schreibt einfach die richtigen Sätze auf eine Postkarte und schickt sie an uns. Unter allen Ratefüchsen verlosen wir eine Erlebnis-Reise an den Tegernsee sowie 3 mal das Brettspiel Kinder-Monopoly!